Masterstudent Steven Roch engagiert sich im VDE Bayern auch im Arbeitskreis MINT & Schule.
| PrivatSteven Roch sprudelt vor Ideen. „Ich stelle mir vor, die Designphase dauert sechs Monate. Aber vielleicht ist das auch zu lang oder die Teilnehmenden brauchen mehr Zeit. Am besten wäre, wir treffen uns ein- oder lieber zweimal die Woche. Hybrid natürlich. Obwohl: Das sollen die Gruppen selbst entscheiden, ob sie sich vor Ort oder online zusammensetzen wollen. Wir brauchen noch einen Raum, kein Labor oder so, was Einfaches. Wobei es schon schön wäre, wir hätten eine Art Clubraum.“ Ein Zuhause für den neuen VDE Chipdesign Club München. Das einmalige Projekt ist erdacht von Steven Roch, Masterstudent in Elektro- und Informationstechnik an der TU München und bis vor kurzem Vorsitzender der VDE Hochschulgruppe an der Hochschule München. Unterstützt wird der Clubgründer vom VDE.
Beim VDE Bayern Zukunftsforum zum Thema Halbleiter im Mai 2025 fing alles an. „Da wurde mir klar, was für ein Riesenthema der Fachkräftemangel im Chipdesign ist“, sagt Steven Roch. Also überlegte er, was man tun könne, um Abhilfe zu schaffen. Seine Idee: Studierende der Elektro- und Informationstechnik früh und praktisch ans Chipdesign heranführen. „Ich kenne an den Hochschulen bisher keine Möglichkeit, einen eigenen Chip zu designen und fertigen zu lassen. Das ist für studentische Gruppen absolut neu.“ Entscheidend ist für ihn der zweite Schritt. „Wir wollen dafür sorgen, dass die Designer ihre fertigen Chips aus Silizium am Ende auch in den Händen halten.“ Etwas, das es so bislang nicht gebe. Denn Chips tatsächlich fertigen können nur große Fabriken – und das ist teuer. Möglich machen will es der Chipdesign Club München mithilfe der Plattform Tiny Tapeout als Enabler. „Wir nutzen die Plattform und ihre Tools, um unsere Chips einfach und kostengünstig produzieren zu lassen“, sagt Steven Roch.
Doch davor steht die Entwicklungsphase. „Digitale oder analoge Chips, Audioverstärker oder kleiner Prozessor – jede Gruppe bestimmt selbst, was sie designen will.“ Unterstützend zur Seite stehen Teamleads, die schon ein wenig Erfahrung haben, und sachkundige Mentoren. „Das können Professoren oder Profis aus Unternehmen sein.“
Die Unterstützung von Firmen aus der Halbleiterbranche hat Steven Roch fest eingeplant. Denn die könnten vom Chipdesign Club besonders profitieren. „Ich verstehe den Club auch als Talentpool“, sagt Steven Roch. „Unternehmen können hier ihre Nachwuchskräfte kennenlernen, die durch das Hands-on-Training schon vorgebildet für den Beruf Chipdesigner sind und zum Beispiel entsprechende Software und Tools schon kennen.“ Das könnte im Idealfall die Traineezeit der Absolventen in Unternehmen erleichtern oder sogar verkürzen.
Doch bis es so weit ist, gibt es noch viel zu tun. „Bisher haben wir viele Interessensbekundungen sowohl von Studierenden als auch von Firmen, aber noch wenig feste Zusagen.“ Mit Unterstützung des VDE arbeitet Steven Roch am Branding für den Club und versucht, eine Domain und Serverplatz zu ergattern. Im Herbst sollen Mittel und Infrastruktur stehen und es kann hoffentlich losgehen. „Der VDE Chip Design Club zeigt eindrucksvoll, wie aus studentischer Initiative konkrete Zukunftstechnologie entsteht“, findet VDE Bayern Leiter Julian Marberger lobende Worte. „Damit aus dieser Bewegung ein nachhaltiges Ökosystem wächst, braucht es jetzt weitere engagierte Studierende, Mentorinnen und Mentoren aus Industrie und Hochschulen, Räume für Zusammenarbeit sowie finanzielle Unterstützung.“
Der Chipdesign Club München sucht noch Unterstützung von Mentoren und Sponsoren. Interessierte melden sich per Mail:
steven.roch@vde-youngnet.de