Eine der größten Herausforderungen sind die Lasersysteme. Forschungsanlagen wie die NIF erzeugen zwar die nötigen hochenergetischen Pulse, schaffen aber nur wenige Schüsse pro Tag, sind wartungsaufwendig und haben einen schlechten Wirkungsgrad. Ein kommerzielles Kraftwerk müsste dagegen etwa zehn Schüsse pro Sekunde abgeben – über viele Jahre, bei hoher Verfügbarkeit und deutlich besserem Wirkungsgrad. Moderne diodengepumpte Festkörperlaser, sogenannte DPSSL, sind hier besonders vielversprechend. Sie erreichen schon heute hohe Wiederholraten und gute Wirkungsgrade, müssen aber noch auf die nötige Leistung skaliert werden.
Und wo liegen darüber hinaus die Knackpunkte?
Ein Kraftwerk würde pro Fusionskammer jeden Tag rund eine Million Targets, also wenige Millimeter große Brennstoffkapseln benötigen. Jedes dieser Targets muss sehr hohe Qualitätsanforderungen erfüllen und äußerst präzise in die Fusionskammer eingebracht werden. Eine solche industrielle Prozesskette gibt es noch nicht. Am Ende entscheidet außerdem die Wirtschaftlichkeit: Die Kosten für Laserdioden müssten um mindestens 90 Prozent sinken, die für Targets noch wesentlich stärker. Das klingt ambitioniert. Aber die Mikroelektronik zeigt, welche Kostensprünge durch industrielle Skalierung und Massenfertigung möglich sind.
Die Technologie befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Warum ist es trotzdem wichtig, sich bereits jetzt mit Normen und Standards für die Laserfusion zu beschäftigen?
Gerade jetzt können Normen und Standards besonders viel bewirken. Wenn eine Technologie bereits am Markt etabliert ist, müssen unterschiedliche Lösungen oft mühsam zusammengeführt werden. Beginnt die Normung früh, kann sie gemeinsame Meilensteine definieren, die Entwicklung in sinnvolle Bahnen lenken und Vertrauen schaffen. Das unterstützt den industriellen Hochlauf.
Was würde ohne gemeinsame Standards passieren?
Ein Laserfusionskraftwerk wird aus Millionen hochpräziser Komponenten bestehen – von Laserdioden und Optiken über Sensoren bis zu Steuerungs- und Diagnosesystemen. Ohne Standards müssten Hersteller ihre Komponenten für jede Anlage einzeln anpassen. Das würde die Entwicklung verteuern, den Wettbewerb einschränken und internationale Lieferketten erschweren. Einheitliche Anforderungen sorgen dagegen dafür, dass Komponenten verschiedener Hersteller zusammenarbeiten und qualitätsgesichert gefertigt werden können. Zugleich schaffen sie Planungssicherheit für Unternehmen, Investoren und Genehmigungsbehörden. Normung ist also keine technische Detailfrage, die erst am Ende kommt. Sie hilft dabei, aus erfolgreicher Forschung eine industriell nutzbare Technologie zu machen.
Die DKE hat 2025 das neue Normungsgremium DKE/K 842 Laserfusion gegründet. Was ist dort bislang passiert?
Seit der Gründung im April 2025 haben sich Fachleute aus Industrie, Forschung und Normung mehrfach getroffen und gemeinsam untersucht, wo der größte Standardisierungsbedarf besteht. Auf dieser Grundlage bereiten wir erste Vorschläge für internationale Standardisierungsprojekte bei der IEC vor. Dabei wollen wir technische Entwicklungen nicht vorwegnehmen oder einzelne Lösungen festschreiben. Es geht darum, gemeinsame Grundlagen zu schaffen, damit sich neue Technologien später effizient industrialisieren und international kompatibel umsetzen lassen.