Noch steht kein Laserfusionskraftwerk am Netz, doch die Normung nimmt bereits Fahrt auf. Das im April 2025 gegründete Normungsgremium DKE/K 842 Laserfusion bereitet erste Vorschläge für Standardisierungsprojekte bei der Internationalen Normungskommission IEC vor. Fachleute aus Industrie, Forschung und Normung haben dafür untersucht, wo gemeinsame Regeln besonders dringend gebraucht werden. „Dabei geht es nicht darum, technische Entwicklungen vorwegzunehmen oder einzelne Lösungen festzulegen“, erläutert Dr. David Urmann, DKE Projektmanager und Referent des Gremiums. Ziel sei, frühzeitig Grundlagen für die spätere Industrialisierung zu schaffen.
Die Laserfusion – eigentlich: laserbasierte Trägheitsfusion – ahmt den Prozess nach, der die Sterne leuchten lässt: Laserpulse erhitzen und komprimieren eine nur wenige Millimeter große, mit Fusionsbrennstoff gefüllte Kapsel, das sogenannte Target. Bei rund 100 Millionen Grad verschmelzen leichte Atomkerne und setzen so Energie frei. Dabei läuft der Vorgang in vier Schritten ab: Aufheizen, Kompression, Zündung und Abbrand (siehe Grafik). Doch auch wenn das Prinzip funktioniert, ist der Weg zum Kraftwerk trotzdem noch weit. Künftige Anlagen müssten etwa zehn Laserschüsse pro Sekunde abgeben und täglich rund eine Million hochpräzise Targets verarbeiten – zuverlässig und zu vertretbaren Kosten.
Damit rücken Fragen in den Vordergrund, die weit über die Forschung hinausgehen. Ein Laserfusionskraftwerk wird voraussichtlich aus Hunderten Lasersystemen und Tausenden Komponenten verschiedener Hersteller bestehen. Benötigt werden daher einheitliche Begriffe, Sicherheitsanforderungen, Mess- und Prüfverfahren, Qualitätskriterien und Schnittstellen. Sie sollen dafür sorgen, dass Bauteile zusammenarbeiten, austauschbar bleiben und international gefertigt werden können. „Normung und Standardisierung sind keinesfalls nachgelagerte technische Detailfragen“, betont Urmann. Sie könnten den industriellen Hochlauf unterstützen, Planungssicherheit schaffen und Fehlentwicklungen vermeiden. Welche technischen Konzepte sich durchsetzen, bleibt offen. Die gemeinsamen Grundlagen dafür sollen aber jetzt entstehen.