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01.10.2023 VDE dialog

Debatte: Safe geht vor

Zum Patentamt gehen nur schrullige Tüftler mit ihren verrückten Erfindungen? Von wegen! Patentanwalt Sebastian Greding erklärt, warum auch Elektroingenieure und Elektroingenieurinnen den Schutz ihres geistigen Eigentums im Blick behalten sollten und die nötigen finanziellen Mittel sogar besser angelegt sind als in anderen Bereichen.

Von Sebastian Greding

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VDE dialog - Das Technologie-Magazin
Porträtfoto von Sebsatian Greding

Sebastian Greding hat Maschinenwesen mit Fokus auf Medizintechnik und Mikrotechnik studiert und arbeitet als Patentanwalt in München vornehmlich für größere mittelständische und internationale Firmen. Am liebsten hilft er aber kleinen Unternehmen und Start-Ups dabei, ihre Erfindungen optimal schützen zu lassen.

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In einer Welt, in der Innovation und technologischer Fortschritt eine immer größere Rolle spielen, ist der Schutz geistigen Eigentums (Intellectual Property, IP) von entscheidender Bedeutung. Patente, Gebrauchsmuster, Marken und Designs sind Instrumente, die es Unternehmen, aber auch Einzelpersonen ermöglichen, ihre Entwicklungen und Innovationen zu schützen und optimal wirtschaftlich zu nutzen. Und das gilt nicht nur für Tüftler und Berufserfinder. Gerade in hochinnovativen Bereichen, die sich mit der Elektro- und Informationstechnik überschneiden, wie Künstliche Intelligenz, 5G und 6G, Quantencomputing, Safety und Security sind Patente besonders wichtig. Denn hier haben technologische und technische Lösungen einen hohen wirtschaftlichen Wert – erst recht, wenn sie relevant für die Standardisierung werden.

Es ist ein längst überholtes Vorurteil, dass Patente zu teuer und zu aufwendig zu erlangen sind. Dass Mühe und finanzieller Einsatz sich nicht lohnen. Mancher meint, dass das für eine Patentanmeldung nötige Geld sinnvoller im Marketing oder in der Produktentwicklung verwendet werden könnte. Dies ist jedoch eine Fehleinschätzung. Tatsächlich sind Unternehmen, die ihr geistiges Eigentum schützen lassen, wirtschaftlich deutlich erfolgreicher als die Konkurrenz, wie das Europäische Patentamt (EPA) und das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) nachgewiesen haben.

»Mit dem richtigen Schutz können sogar Start-ups sich mit ihren Innovationen gegen Etablierte durchsetzen.«

Patentschutz kann sogar für Softwareerfindungen (Computer Implemented Inventions, CII) erlangt werden. Bedingung ist, dass die Software einen technischen Effekt hervorbringt oder ein technisches Problem löst. Das ist oftmals bei KI-basierten Entwicklungen der Fall! In den vergangenen Jahren haben in diesem Bereich die Patentanmeldungen entsprechend stark zugenommen. Gerade kleine Unternehmen und Start-ups entwickeln häufig hochinnovative KI-basierte Softwarelösungen für unterschiedlichste Anwendungsgebiete. Mit diesen können sie sich nicht nur in neuen, sondern auch in etablierten Geschäftsfeldern gegen alteingesessene Unternehmen durchsetzen. Sofern ihre Software ausreichend gegen Nachahmung geschützt ist.

Denn wird die Innovation nicht patentiert, kann die Konkurrenz ungehindert die gleiche oder eine ähnliche Software auf den Markt bringen. Hat die Entwicklung Erfolg, muss dieser dann zwangsläufig geteilt werden. Worst-Case-Szenario: Ein konkurrierendes Unternehmen entwickelt und schützt eine eigene, verbesserte Softwarelösung basierend auf dem ursprünglich innovativen, jedoch ungeschützten Programm. Dann dürfte das Ursprungsunternehmen die Weiterentwicklung seinerseits nicht nutzen, um die eigene Lösung zu verbessern. Ein Rausschmeißer in einem stark umkämpften Markt. Deshalb gehören Innovationen und technische Problemlösungen unbedingt geschützt.