Die reale Welt stellt Roboter noch immer vor die größten Herausforderungen. Ein System kann Gegenstände einwandfrei erkennen und Bewegungsabläufe in Simulationen perfekt beherrschen und dennoch scheitern, sobald ein Werkstück verrutscht, eine Oberfläche nachgibt oder ein Mensch unerwartet in seinen Arbeitsbereich greift.
Während Sprachmodelle mit Daten aus dem Internet trainiert werden, muss „Physical AI“ ihre Erfahrungen vor allem in der realen Wirklichkeit sammeln. Dafür entwickelt NEURA Robotics sogenannte Gyms: Trainingszentren, in denen Roboter unter möglichst authentischen Bedingungen greifen, sortieren oder Werkzeuge bedienen. Dabei erfassen sie Bilder, Berührungen, Geräusche und räumliche Veränderungen. Das Gym soll so die Lücke zwischen Labor und Fabrikhalle schließen. Industrieunternehmen und Entwickler können dort Arbeitsabläufe nachstellen, Roboter daran trainieren und ihre Fähigkeiten vor dem Einsatz in der Produktion überprüfen. Die erlernten Abläufe sollen anschließend über die digitale Plattform Neuraverse auf weitere Systeme übertragen und auf Wunsch anderen Unternehmen angeboten werden.
„Der größte Engpass für Physical AI ist nicht mehr die Intelligenz, sondern die Praxis“, zeigt sich David Reger, CEO und Gründer des Start-ups überzeugt. „Roboter lernen, indem sie mit der realen Welt interagieren, und genau deshalb bauen wir die Gyms.“ Europaweit sind zehn solcher Zentren geplant, zwei davon sollen noch bis Ende 2026 in Deutschland entstehen: auf dem Campus der RWTH Aachen sowie am Münchner Flughafen in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München.
Das Geld für diese Investitionen kommt aus einer Finanzierungsrunde über bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar, die NEURA Robotics im Juni 2026 bekannt gab. Zu den Geldgebern zählen unter anderem Nvidia, Amazon, Qualcomm, Bosch, Schaeffler und die Europäische Investitionsbank. Mit dem neuen Kapital will das 2019 in Metzingen gegründete Unternehmen aber auch die Serienproduktion seiner Industrie-, Service- und humanoiden Roboter massiv ausbauen – und seinem Ziel näher kommen, NEURA als europäisches Gegengewicht zu den großen Robotikanbietern aus den USA und China zu etablieren.