Ein Fußabdruck aus Kohle
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01.07.2026 VDE dialog

CO2-Fußabdruck: Normung schafft Klarheit

Bis zum Jahr 2050 will Europa der erste klimaneutrale Kontinent sein – ein erklärtes Ziel des Green Deals. Ein wichtiges Tool ist dabei der Carbon Footprint – der darüber hinaus auch als Wirtschaftsfaktor an Bedeutung gewinnen könnte.

Der CO2-Fußabdruck – englisch Carbon Footprint – rückt durch neue regulatorische Vorgaben zunehmend in den Fokus wirtschaftlicher Entscheidungen. Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive verpflichtet die EU Unternehmen dazu, ihre Emissionen transparenter offenzulegen – ein Schritt, der den Carbon Footprint vom reinen Umweltindikator zu einer marktrelevanten Kennzahl macht. Parallel treiben internationale Entwicklungen das Thema voran: Während Europa regulatorisch vorlegt, entstehen in globalen Normungsgremien neue Standards, die den Umgang mit CO2-Daten vereinheitlichen sollen.

Worum geht es genau? Im Kern beschreibt der Carbon Footprint die Treibhausgasemissionen eines Produkts entlang seines gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über Herstellung und Nutzung bis zur Entsorgung. Methodische Grundlage ist die Ökobilanz, standardisiert durch die ISO-Normen 14040 und 14067. Damit wird eine umfassende Betrachtung ermöglicht, die über einzelne Produktionsschritte hinausgeht. Dennoch bleibt die Aussagekraft der Ergebnisse bislang begrenzt: Unterschiedliche Annahmen etwa beim Energiemix, bei Transportwegen oder bei Recyclingprozessen führen dazu, dass die Werte oft nur eingeschränkt vergleichbar sind.

Hier setzt die Normung an, indem sie bestehende Standards konkretisiert und harmonisiert. Sogenannte Product Category Rules definieren einheitliche Berechnungsregeln für Produktgruppen, während produktspezifische Regeln technische Besonderheiten einzelner Produkte berücksichtigen. Ergänzt wird das System durch Umweltproduktdeklarationen, die Daten transparent darstellen. Erst das Zusammenspiel dieser Instrumente schafft die Grundlage für belastbare Vergleiche – eine Voraussetzung, die für regulatorische Zwecke und den Wettbewerb zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Eine Vergleichbarkeit des CO2-Fußabdrucks ist unerlässlich für einen fairen Wettbewerb und eine verlässliche Durchsetzung geltender Gesetze“, betont Dr. Tim Brückmann, Koordination Umwelt und Nachhaltigkeit bei der DKE.

Aktuell richtet sich der Blick auf neue internationale Normungsprojekte, insbesondere in den IEC-Gremien, die eine maschinenlesbare Struktur von Daten ermöglichen sollen. Ziel ist ein automatisierter Datenaustausch entlang globaler Lieferketten, der den erheblichen Erhebungsaufwand reduziert und gleichzeitig die Qualität der Daten verbessert. Damit zeichnet sich ein klarer Trend ab: Der Carbon Footprint entwickelt sich zu einem zentralen Steuerungsinstrument für Unternehmen – vorausgesetzt, die Normung schafft die notwendige Grundlage für Vergleichbarkeit und globale Anschlussfähigkeit.

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