Als der Lufttaxi-Entwickler Lilium in die Insolvenz rutschte, blieb in Oberpfaffenhofen mehr zurück als nur ein Symbol für die Grenzen deutscher Luftfahrtambitionen: moderne Batterie- und Testinfrastruktur, Fertigungsanlagen, Entwicklungs-Know-how sowie die Frage, wer daraus noch etwas machen könnte. Einer der Profiteure heißt Vaeridion, gegründet 2021. Das Münchner Start-up entwickelt mit dem „Microliner“ ein batterieelektrisches Regionalflugzeug für neun Passagiere und zwei Piloten.
Anders als Lilium setzt Vaeridion nicht auf ein futuristisches Flugtaxi mit Senkrechtstart (eVTOL), also eine Art große Passagierdrohne, sondern auf ein konservatives Konzept mit klassischem Flugzeuglayout, mit Start und Landung auf normalen Startbahnen, kombiniert mit einem vollelektrischen Antrieb. „Unser Ansatz basiert bewusst auf Pragmatismus und Umsetzbarkeit“, erklärt das Unternehmen auf Anfrage. Entwickelt werde „ein konventionell nutzbares Flugzeug für reale regionale Anwendungen, das bestehende Infrastruktur nutzen kann“.
Der „Microliner“ soll also nicht den urbanen Individualverkehr in die Luft verlagern, sondern ein klar umrissenes Marktsegment bedienen: kurze Regionalstrecken bis etwa 400 Kilometer, auf denen herkömmliche gasbetriebene Propeller-Flugzeuge oft zu teuer und zu ineffizient sind. Der „Microliner“ soll also weniger die Großflughäfen bedienen, sondern eher die bis zu 2300 kleineren Regionalflughäfen in Europa erschließen, die für herkömmliche Jets zu kurze Pisten oder zu wenig Passagieraufkommen haben – etwa die Inseln Griechenlands.
Im Mittelpunkt steht die Batteriearchitektur. Anders als bei vielen anderen E-Flugzeugprojekten sitzen die Akkus nicht im Rumpf, sondern in den Tragflächen, was mehr Platz im Innenraum lässt. Die lange, schlanke Flügelgeometrie erinnert an Segelflugzeuge – ein Hinweis darauf, dass Vaeridion stark auf Effizienz achtet. „Unsere Batterietechnologie entwickeln wir weitgehend inhouse“, erklärt das Unternehmen weiter. Dazu zählen das Batteriemanagementsystem, das Thermomanagement, die Systemarchitektur und die sicherheitsrelevante Integration in das Flugzeug. Die Batteriepakete sind so aufgebaut, dass „einzelne Module effizient installiert, gewartet oder ersetzt werden“ können. Künftige Zellgenerationen, etwa um von Technologiesprüngen in der Batterieentwicklung profitieren zu können, sollen ohne großen Aufwand integriert werden können.
Die Velis Electro des slowenischen Herstellers Pipistrel erhielt 2020 als erstes E-Flugzeug eine Zulassung der EASA.
| Pipistrel