eine weiße Drohne
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01.01.2026 VDE dialog

Normung: Warum Drohnen Regeln brauchen

Drei Fragen an Sicherheitsexperten Jürgen Rumeney über Chancen, Risiken und Grenzen unbemannter Fluggeräte – und die Notwendigkeit einer Regulierung.

Interview: Martin Schmitz-Kuhl

Porträtfoto von Sicherheitsexperte Jürgen Rumeney

Jürgen Rumeney ist Sicherheitsexperte bei Siemens und Teil des Normungsgremiums DKE/AK 713.0.2. Er beschäftigt sich mit der Frage, welchen Einfluss eine dynamische Technologie wie die Drohne auf die Anforderungen an künftige Sicherheitssysteme hat.

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Drohnenshows ziehen inzwischen Tausende Menschen in ihren Bann. Würden Sie selbst eine solche Veranstaltung besuchen – oder überwiegt bei Ihnen als Sicherheitsexperte das Misstrauen?

Jürgen Rumeney: Ich persönlich war noch nie bei einer Drohnenshow, kann aber nachvollziehen, warum sie so viele Menschen faszinieren. Doch gerade an diesem Beispiel zeigt sich, wie der Mensch mit technologischen Errungenschaften umgeht: Zunächst steht der Spieltrieb im Vordergrund – bis Grenzen sichtbar werden. Damit diese Grenzen nicht überschritten werden, braucht es Regeln. Deshalb existieren heute klare Vorgaben: Je nach Flughöhe, Gewicht, Einsatzort und Zweck einer Drohne greifen unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen, teils sogar eine Führerscheinpflicht. Wer eine Drohne über 250 Gramm fliegt, muss sich beim Luftfahrt-Bundesamt registrieren lassen.

Seit 2021 gilt eine EU-Verordnung für den Drohnenbetrieb. Doch die technische Entwicklung schreitet rasant voran. Wie kann Regulierung da überhaupt Schritt halten?

Das ist der entscheidende Punkt. Regulierung hinkt der Entwicklung fast immer hinterher. Wenn eine Drohne etwa über ein Firmengelände fliegt und Aufnahmen macht, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, ist das bereits ein rechtliches Problem. Noch gravierender wird es, wenn Privatbereiche betroffen sind. Deshalb fragen wir im DKE-Arbeitskreis 713.0.2: Welche neuen Sicherheitsanforderungen entstehen? Wir betrachten Szenarien wie „Angriffe“, „Detektion und Verifizierung“ oder „Instandhaltung“. Es geht uns darum, technische Entwicklungen kontinuierlich zu bewerten – und Normen frühzeitig anzupassen. Denn der Weg von einer Richtlinie bis zur verbindlichen Norm kann lang sein.

In Ihren Arbeitskreisen sprechen Sie auch über Spionage- oder Sabotagedrohnen. Wie real ist diese Bedrohung?

Sie ist absolut real. Schon heute werden Drohnen zu Spionagezwecken eingesetzt – etwa um Bauteile zu fotografieren, Prototypen zu vermessen oder Informationen über Kritische Infrastruktur zu gewinnen. Künftig müssen Industrieunternehmen deshalb über Multisensoren nachdenken, die zwischen erwünschten und unerwünschten Fluggeräten unterscheiden können. Im Bereich der Überwachung wird es notwendig sein, bestehende Normen zu überdenken: einerseits, um den legitimen Einsatz von Drohnen zu ermöglichen, andererseits, um potenziell gefährliche Systeme frühzeitig zu erkennen und unschädlich zu machen. Entscheidend ist, dass wir dynamische Technologien wie die Drohne nicht nur anwenden, sondern wirklich verstehen – und sie unter dem Blickwinkel der Sicherheit fortlaufend bewerten.

Das ganze Interview unter:

https://www.vde.com/interview-rumeney

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