Die weiße Wüste erstreckt sich weit über den Horizont hinaus: Der Salar de Uyuni mit einer Fläche von mehr als zehntausend Quadratkilometern ist die größte Salzpfanne der Welt und Haupttouristenattraktion Boliviens. Mehrere Hunderttausend Menschen kommen jedes Jahr hierher, um diese einmalige Landschaft auf 3653 Metern Höhe in den Anden zu sehen. Auch Salz wird abgebaut – doch der größte Schatz schlummert in der Sole: Lithium.
Das Leichtmetall ist ein weltweit begehrter Rohstoff (s. S. 26), und nirgends lagert davon so viel wie im Salar de Uyuni. Von 115 Millionen Tonnen Lithium, die laut dem US Geological Survey (USGS) von 2025 bekannt sind, verfügt Bolivien, zuammen mit Argentinien, das genauso große Vorkommen hat, mit 23 Millionen Tonnen über die größten Ressourcen weltweit – davon 21 Millionen allein im Salar de Uyuni. Etwa ein halbes Dutzend weitere Salzpfannen in den bolivianischen Anden sind ebenfalls für die Lithiumgewinnung vorgesehen, und zahlreiche andere sollen auf mögliche Vorkommen untersucht werden. Hinter Bolivien und Argentinien folgt Chile mit elf Millionen Tonnen Lithium. Zusammen bilden die Vorkommen der drei Länder in den Anden das sogenannte Lithiumdreieck, das rund die Hälfte des weltweiten Lithiums beherbergt.
Allerdings: Eine Ressource ist noch keine nutzbare Reserve. Den Schatz zu heben, der in seinen Salzpfannen lagert, bietet Bolivien lohnenswerte Perspektiven. Führende Politiker sehen darin eine mögliche Lösung für zwei der größten Probleme des Landes: die Wirtschaftskrise und den Devisenmangel. Doch obwohl bereits seit Jahrzehnten darüber gesprochen wird und verschiedene Anläufe unternommen wurden, ist die Lithiumgewinnung bisher über Pilotanlagen kaum hinausgekommen. Erst Ende 2023 hat das Staatsunternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB) am Salar de Uyuni die erste industrielle Anlage zur Lithiumgewinnung mittels Verdunstung in Betrieb genommen. Sie ist jedoch von verschiedenen Problemen in der Konstruktion und im Betrieb gezeichnet und produziert nur einen Bruchteil der vorgesehenen Menge.
Verdunstungsbecken im Salar de Uyuni in Potosi fördern das begehrte Lithium. Die Methode ist allerdings langwierig und verbraucht viel Wasser, weshalb man sich künftig auf die direkte Lithiumextraktion konzentrieren will.
| picture alliance / Reuters | Claudia Morales