Eine Stadt der Zukunft in Blautönen gehalten im Hintergrund. Der Vordergrund verwischt, eine Autobahn/ Straße
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07.07.2021 Antriebstechnologie Publikation

Der Mix macht die Wende

Green Deal, Zero 2050 und die Zukunft der Mobilität „made in Germany“: Wie kann Deutschland sich angesichts der Konkurrenz aus USA und China als Wirtschafts- und Technologienation halten und Arbeitsplätze sichern? Diesen Fragen ging der VDE in einer neuen Studie nach.

Von Melanie Unseld

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Chefredakteurin VDE dialog

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Welche Erwartungen haben Politik und Wirtschaft an die Mobilität der Zukunft, fragte der VDE für die Studie „Antriebsportfolio der Zukunft“ Politiker und Topmanager aus der Wirtschaft, darunter Autohersteller, OEMs, Zulieferer und Energieversorger. Hauptbotschaft der Studie: Nur mit einem intelligenten, technologieoffenen Mix aus allen verfügbaren klimaneutralen Antriebstechnologien – Batterie, Brennstoffzelle und E-Fuels – kann das ambitionierte Klimaziel der EU „Zero Emission“ erfüllt werden. Das Antriebsportfolio 2030+ für den Straßenverkehr setzt sich damit wie folgt zusammen: batterieelektrischer Antrieb im Pkw-Sektor, Batterie- und Brennstoffzellen-Antrieb im gewerblichen Güter- und Schwerlastverkehr (je nach Anwendungsfall) und E-Fuels für Bestandsfahrzeuge und als Nischentechnologie für Oldtimer und Motorsportautos.

„Der Technologiemix unterstreicht die spezifischen Stärken der Antriebskonzepte für den jeweiligen Anwendungsfall. Nur wenn es gelingt, die Transformation der Mobilität gemeinsam und entschlossen umzusetzen, kann das ‚Made in Germany‘ auch künftig behauptet und Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden“, ist sich Dr. Ralf Petri, Leiter des Geschäftsbereichs Mobility im VDE, sicher. Politik und Wirtschaft ist dabei klar: Um die Klimaziele zu erreichen, muss sich Mobilität vor allem an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten. „Der Individual- und Personennahverkehr muss komfortabel und bezahlbar sein und bleiben“, fordert Petri.

Kapazitätsengpässe bei Ladeinfrastruktur

Politik und Wirtschaft sind sich einig, dass für Pkw der batterieelektrische Antrieb die künftige Alternative zum Fahrzeug mit Verbrennungsmotor ist. Die größte Herausforderung besteht im Auf- und Ausbau einer bedarfsgerechten Ladeinfrastruktur. Für die zu erwartenden Kapazitätsengpässe bei steigender Anzahl von E-Fahrzeugen müssen Lösungen in Form von Netzausbau und intelligentem Lastmanagement geschaffen werden. „Vor allem die Anzahl und Verteilung der Ladepunkte im öffentlichen und privaten Raum muss zügig nutzerorientiert ausgebaut werden. Nur mit einer optimalen Ladeinfrastrukturdichte schafft man eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung“, mahnt Petri. Für den Schwerlast- und Langstreckengüterverkehr sehen die Experten die Brennstoffzelle als Baustein auf dem Weg zu lokaler, CO2-neutraler Mobilität. Vorausgesetzt, es handelt sich um „grünen“ Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde. Auch hier sind noch große Herausforderungen im Infrastrukturausbau zu stemmen. Inwiefern das bestehende Erdgasnetz für die Verteilung von Wasserstoff genutzt werden kann, ist ebenso wenig abschließend geklärt wie die Möglichkeit, grünen Wasserstoff aus geeigneten Regionen zu importieren und so geopolitische Abhängigkeiten zu diversifizieren.

Porträtbild von Dr. Ralf Petri, Geschäftsbereichsleiter Mobility im VDE. Im Hintergrund der VDE Schriftzug.

STANDPUNKT: Die Verkehrs- und Mobilitätswende gelingt nur mit einem Antriebsmix

Porträtbild von Dr. Ralf Petri, Geschäftsbereichsleiter Mobility im VDE. Im Hintergrund der VDE Schriftzug.

Die Erreichung der Klimaziele kann nur mit einem intelligenten Mix aller verfügbaren klimaneutralen Antriebstechnologien gelingen. Wichtig hierfür sind der synchrone Ausbau von Ladeinfrastruktur, eine breite, nutzerorientierte Fahrzeugpalette und ein positives Narrativ für den Transformationsprozess hin zu lokal emissionsfreier Mobilität. Denn nur wenn das Angebot gut und verlässlich ist, werden es die Kunden auch nutzen. Der Handlungsdruck ist hoch und der Wirtschaftsstandort Deutschland muss sich im internationalen Wettbewerb behaupten. Es gilt, jetzt die notwendigen Investitionen und Innovationen umzusetzen, statt durch nationale Meinungsdebatten (aus-)gebremst zu werden. Für das Antriebsportfolio der Zukunft sollten daher alle verfügbaren klimaneutralen Antriebstechnologien entsprechend ihrer spezifischen Stärken eingesetzt werden: Die eine Antriebstechnologie der Zukunft gibt es nicht!

Dr. Ralf Petri, Geschäftsbereichsleiter Mobility im VDE

E-Fuels später im „Liebhaberbereich“

Der große Vorteil von E-Fuels besteht darin, dass sie in die bestehende Infrastruktur von Pipelines, Transportwagen, Tankstellen, Zapfsäulen und herkömmlichen Verbrennungsmotoren unkompliziert eingespeist und genutzt werden können. Der Nachteil: Für die Erzeugung der E-Fuels wird im Durchschnitt die sechs- bis achtfache Menge an Primärenergie im Vergleich zum batterieelektrischen Antrieb benötigt. Entsprechend hoch sind auch die zu erwartenden Preise für E-Fuels. „Denkbar ist, dass E-Fuels später für einen Nischenmarkt von Bestandsfahrzeugen mit Verbrennungsmotor im Markt relevant bleiben – dort, wo auch eine hohe Zahlungsbereitschaft vorhanden ist, beispielsweise aus Liebhaberzwecken, um Oldtimer oder Motorsportwagen zu fahren“, meint Petri. Zuerst müsse aber die Lade- und Verteilinfrastruktur ausgebaut und die Fahrzeug-Modellpalette ausgeweitet werden. „Die einspurige Fokussierung auf eine innovative Antriebsart wäre genauso eine Sackgasse wie ein separates Vorgehen einzelner Akteure oder das Ausblenden von Nutzeransichten und -verhalten“, beschreibt Petri die Herausforderung.

Den kompletten Inhalt lesen Sie unter:

www.vde.com/antriebsmix-tagesspiegel-background

Videos zur Antriebstechnologie der Zukunft:

https://www.youtube.com/watch?v=wW5uCVm9QIQ

https://www.youtube.com/watch?v=m-h3PRXSi9w

MELANIE UNSELD ist Chefredakteurin des VDE dialog.