Generell sei das Thema Flexibilitäten, und diese clever zu nutzen, wichtig für das Gelingen der Energie- und Antriebswende, so Armin Gaul. Er ergänzt: „Dafür müssten wir uns von der bisherigen Vorstellung verabschieden, dass immer alle Verbrauchsstellen gleichzeitig mit voller Leistung versorgt werden müssen. Ungesteuertes, gleichzeitiges Laden von Elektroautos würde einen dramatischen Netzausbau erfordern. Wird jedoch das Laden intelligent gesteuert, können auch die heutigen Netze die für die Elektromobilität notwendigen Leistungen bereitstellen.“
Und wer diese Flexibilitäten und die Schwankungen des Strompreises gezielt nutzt, kann sie in Gewinne umwandeln – als privater oder gewerblicher Stromabnehmer ebenso wie Unternehmen mit einem entsprechenden Geschäftsmodell. Den Endkunden winken Einsparungen bei den Ausgaben für Ladestrom, etwa indem sie die Ladevorgänge ihres E-Autos, automatisiert mit Hilfe entsprechender Software und Apps, in Zeiten mit niedrigen Strompreisen verschieben.
Doch müsse man – gerade beim öffentlichen Laden – erst den Tarifwirrwarr durchblicken, erklärt Wolff, die hier dringenden Nachholbedarf sieht: „Kunden müssen sicher sein, immer und überall laden zu können – und das so einfach wie möglich. Es braucht klare gesetzliche Vorgaben für mehr Preistransparenz und eine bessere Regulierung des anbieterübergreifenden Ladens, dem sogenannten Roaming.“
Gearbeitet werden müsse auch an der Sichtbarkeit und Verfügbarkeit von Lademöglichkeiten an jenen Orten, wo Autos ohnehin längere Zeit stehen; neben Tiefgaragen und Garagen großer Wohngebäude etwa auch bei Arbeitgebern und Supermärkten. Gaul sagt hierzu, es müsse ein Umdenken stattfinden, da es ein riesiger Hebel für die Energiewende sei, diese Standzeiten besser zu nutzen. „Ein E-Auto benötigt pro Tag im Schnitt nur 7 kWh Strom und ist mehr als 20 Stunden lang geparkt. Und es ist keine Revolution, sondern bereits gängige Praxis, die Ladevorgänge durch Lastmanagement-Systeme zu entzerren.“
Intelligenz statt Kupfer, also mehr Digitalisierung und nur wo notwendig ein gezielter Netzausbau, wäre ein wichtiger gemeinsame Nenner. Denn die Energiewende entscheidet sich nicht allein im Kraftwerk, der PV-Anlage, dem Windrad oder am Auto – sondern im intelligenten Zusammenspiel der Systeme.