Fachleute warnen seit Jahren: Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung Kritischer Infrastrukturen machen Staaten und Unternehmen zunehmend verletzlich. Gefahr droht dabei nicht nur durch klassische Hackerattacken, sondern auch durch elektromagnetische Angriffe. Gleichzeitig fehlt es an einheitlichen Schutzstandards, an einer europaweiten Normierung und an ausreichendem Bewusstsein für diese Bedrohung. Ein Angriff mit hochenergetischer elektromagnetischer Strahlung, kurz HPEM (hochleistungs-elektromagnetischer Puls, englisch: High Power Electromagnetics), kann in Sekundenbruchteilen zentrale technische Systeme lahmlegen. Die gezielt erzeugten elektromagnetischen Impulse treffen Steuerungen, Sensoren oder Kommunikationsverbindungen und führen zu Störungen oder dauerhaften Schäden.
Kern der Bedrohung bei HPEM sind künstlich erzeugte Hochleistungs-Mikrowellen. Im Unterschied zu einem HEMP (High-Altitude Electromagnetic Pulse), der meist großflächig etwa durch eine nukleare Explosion in großer Höhe ausgelöst wird, sind HPEM-Angriffe lokal begrenzt. Sie können mit mobilen Geräten, Fahrzeugen oder Drohnen erzeugt werden, unauffällig, ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen. Betroffen sein können Rechenzentren, Umspannwerke, Kommunikationsnetze oder Verkehrsleitsysteme. Der Schutz vor solchen Angriffen war lange vor allem für militärische Systemen wichtig. Heute müssen aber in der Breite sicherheitsrelevante Schlüsseltechnologien geschützt werden, die nicht nur wesentlich sind für die Verteidigungsfähigkeit einer Gesellschaft.
Die Wirkung eines nuklear erzeugten HEMP wie auch der nichtnuklear erzeugten HPEM-Impulse beruhen auf der Ausbreitung elektromagnetischer Felder und dem Induktionsgesetz. Während nuklear erzeugte HEMP eine Reichweite über ganze Kontinente hinweg erreichen, wirken HPEM-Impulse im Bereich weniger Kilometer, dafür gezielter und die Quelle ist schwer aufzufinden. Sie besitzen die Fähigkeit, physische Barrieren wie Zäune oder Wände zu durchdringen, ohne dabei sichtbare Spuren zu hinterlassen. Nur sehr gut mit Metall abgeschirmte Räume (Tempest-Räume oder Schirmräume) bieten einen begrenzten Schutz, sind aber sehr aufwendig zu realisieren.
Tempest-Räume sind baulich so abgeschirmt, dass die ungewollte Abstrahlung von elektromagnetischen Signalen von elektronischen Geräten verhindert wird. Sie sind oftmals Teil von Hochsicherheitsbereichen sein, in denen sensible Daten vor Zugriffen von außen geschützt werden müssen.
| Faraday Defense Corp.