Kampfflugzeuge im litauischen und estnischen Luftraum. Drohnensichtungen über militärischen Anlagen in Dänemark und Deutschland. Immer wieder Sabotageakte, Spionagevorfälle, Desinformationskampagnen und nicht zuletzt: Cyberattacken. Die Nachrichten über beunruhigende Vorfälle, für die – mehr oder weniger bewiesen – Putins Russland verantwortlich gemacht wird, sind mittlerweile fast an der Tagesordnung. Europa befindet sich, so das einhellige Urteil aller deutschen Nachrichtendienste, bereits heute in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden. Bestenfalls von einem „eisigen Frieden, der punktuell jederzeit in heiße Konfrontation umschlagen kann“ sei noch zu reden, bringt es BND-Präsident Martin Jäger auf den Punkt. Was die Lage dabei noch schwieriger macht: Auf die schützende Hand des großen Bruders auf der anderen Seite des Atlantiks scheint sich Europa heutzutage nicht mehr verlassen zu können. Die USA ist unter Donald Trump selbst zu einem Unsicherheitsfaktor in der Weltpolitik geworden.
Angesichts der verschärften Bedrohungslage besonders schutzbedürftig: sogenannte Kritische Infrastrukturen (KRITIS), also Einrichtungen und Systeme, die für das Funktionieren des Gemeinwesens unverzichtbar sind – etwa die Versorgung mit Energie, Wasser, Lebensmitteln oder medizinischer Versorgung. Ihr Ausfall oder ihre Beeinträchtigung hätte gravierende Folgen wie Versorgungsengpässe oder Störungen der öffentlichen Sicherheit für viele Menschen. „Kritische Infrastrukturen sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Ihr Schutz ist eine zentrale Aufgabe der nationalen Sicherheit“, heißt es deshalb auch schon in der Nationalen Sicherheitsstrategie der Bundesregierung, die im Juni 2023 veröffentlicht wurde.
Gemeldete Störungen von Betreibern Kritischer Infrastrukturen nach Sektor
| Quelle: BSI-Lagebericht (Q3/2024-Q2/2025)